Vegane Leder Alternativen

Vegane Alternativen zu Leder Teil 1: Ananas-Blätter

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Wer sich in den letzten Jahren mit der Modebranche auseinandergesetzt hat, weiß um die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, die Ressourcenverschwendung und die immense Umweltbelastung, die in dieser Branche gang und gebe sind. Dies passiert auch bei der Herstellung von Leder. Aufklärung & Innovation treiben jedoch spannende Alternativen voran. Ich stelle euch in der nächsten Zeit einige geniale Materialien vor, die Lederkonsum überflüssig machen! 

Ein Umbruch findet statt. Nachhaltige Mode wird immer beliebter, schöner und erschwinglicher. Der Wunsch nach Veränderungen der Bedingungen für Mensch und Tier in Produktionspreozessen von Kleidung steigt bei den Konsumenten. So gilt beispielsweise Pelz, zumindest in meinem Umfeld, längst als verpönt. Tierquälerei für den eigenen Konsumgenuß ist unsexy. Aber wie sieht das mit Leder aus? Komischerweise wird Leder nach wie vor mit Qualität und Langlebigkeit, statt mit Tierhäutung und Qualen gleichgesetzt. Dabei sind die Produktionsbedingungen von Leder alles andere als tier-, menschen- oder umweltfreundlich. Leder ist zwar ein Naturprodukt, für die Weiterverarbeitung werden jedoch Unmengen an Chemikalien benötigt, die nicht nur bei den Arbeitern zu Erkrankungen der Magen und Atemwege führen können. Auch belasten die Chemikalien zunehmend die Umwelt und von der Quälerei der Tiere mal ganz abgesehen.

Alternativen zu Leder: Kein Fingerzeig, eine spannende Innovationsreise!

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu weit ausholen oder den Zeigefinger heben. Allen, die sich für die Thematik interessieren, kann ich folgende Links empfehlen, der Rest schaut sich an, was ich herausgesucht habe.

Design is not about a product but it is about the responsibility. We have to think about the consequences of our thinking, of our doing.

Carmen Hijosa

Auch ich bin umgeben von Leder

Während ich diesen Text schreibe und recherchiere, sitze ich an meinem Schreibtisch und bin umzingelt von einem Dutzend Lederprodukten. Es genügt ein Blick nach rechts zu meinen Schuhen oder ein Blick über die Schulter zu den Ledertaschen, die über meinem Kleiderständer hängen. Ein Glück, dass sich in diese Sammlung nicht auch noch eine Ledercouch einreiht, denke ich mir klammheimlich. Unweigerlich fange ich an mir darüber Gedanken zu machen, was das für mich und meinen Konsum bedeutet. Ich bin kein großer Fan von Verboten und selbstauferlegtem Verzicht, gleichzeitig möchte ich meine Augen vor den Tatsachen nicht verschließen und blind konsumieren. Was also tun, um mich aus der Starre zu lösen, die ich gerade empfinde? Den Spaß an Mode, am Experimentieren und am Kleiden möchte ich mir nämlich nicht nehmen. Da hilft nur eins: Alternativen suchen!

Die ersten Gedanken, die bei Leder-Alternativen meistens aufkommen, sind Plastik, Kunstleder und chemischer Gestank. Das Mutter Natur eine Reihe an ziemlich guten Alternativen parat hat, wissen die Wenigsten. Aus diesem Grund möchte ich euch verschiedene Alternativen vorstellen, gemeinsam mit euch einen Blick über den Tellerrand wagen und mich aus meiner Starre lösen.

Pinatex_Lederalternative
Leder aus Ananas-Blättern – Quelle: www.ananas-anam.com

Ananas-Blätter als vegane Alternativen zu Leder – Piñatex aus Spanien

Piñatex ist ein veganes Leder, das aus den Fasern der Ananas-Blätter gewonnen wird. Bei der Ananasernte bleiben diese Blätter übrig und sind somit ein Abfallprodukt. Nach jahrelanger Forschung und Entwicklung ist es der spanischen Designerin Carmen Hijosa und ihrem Team gelungen aus dem eigentlichen Abfallprodukt eine nachhaltige Biotextilie herzustellen. Das Team hat es sich zum Ziel gesetzt alle Produkte, die bei dem Herstellungsprozess entstehen, weiterzuverarbeiten. So bleibt bei der Herstellung beispielsweise Biomasse übrig, die im Nachgang zu Dünger oder Biogas weiterverarbeitet werden kann. Der Lebenszyklus ist in der Infografik erklärt, die ich der Website entnommen habe.

Piñatex_Lebenszyklus
Piñatex Lebenszyklus -Quelle: www.ananas-anam.com

 

Das Material lässt sich problemlos färben, bedrucken und lässt sich in unterschiedlichen Beschaffenheiten und Dickegraden herstellen. Laut der Website handelt es sich bei Piñatex um ein starkes, vielfältiges, atmungsaktives und flexibles Material und steht Leder in nichts nach.

 

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Muster aus Piñatex – Quelle: www.ananas-anam.com

Bisher haben große Marken wie Camper und Puma, die Taschendesignerin Ally Capellino oder die Industriedesignerin Patricia Moore an dem Material ausprobiert. Theoretisch lässt sich alles von Schuhen, über Taschen, Bezüge für Stühle bis hin zu Sofas und Autositzen aus Piñatex herstellen. Leider handelt es sich bei den bisherigen Stücken um Muster und ich konnte nicht raus finden, wann die erste Stücke in die Läden kommen.

Auch preislich scheint das Material Leder bei weitem überlegen zu sein. Laut Carmen Hijosa liegen die Kosten pro m² bei Piñatex bei rund 24€. Leder kostet in der Regel pro m² zwischen 27 und 40€. Meiner Meinung nach also eine tolle Alternative zu Leder und ein spannendes Projekt, das es zu verfolgen lohnt! Wenn ihr noch mehr wissen wollte, kann ich euch das folgende Video empfehlen, in dem Piñatex kurz vorgestellt wird. Ein Blick auf die Website lohnt sich meiner Meinung nach auch.

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr viele Lederprodukte? Gab es bei euch schon die Frage nach Alternativen und wenn ja, welche sind das. Packt es uns in die Kommentare!

(Wahl-) Berlinerin, Reisefreundin & Modeliebhaberin. Immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, tiefen Einblicken und oberflächlicher Schönheit. Vertont ihre Handlungen gerne (kschhhh & bbrrr).

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