Was bleibt?
Gebaut aus Träumen und Hoffnungen wurde die warme Stube der Kindheit aus der ich jetzt doch wirklich endlich ausgezogen bin. So richtig. Mein Herz klopft zum Beat von “Not a girl, not yet a woman” bis ich erschöpft umfalle. Kein Kinder-Facebook-Profilbild dieser Welt wird es schaffen mir das Wissen um die Welt und Menschen und die damit einhergehende milde Depression zu nehmen. Nichts beamt mich zurück und schenkt mir Tanzstunden, die ich immer wollte oder schickt mich in den Klavierunterricht, der meine Hirnhälften vibrieren lassen und nachhaltig mein analytisch logisches Denken fördern hätte können.
Hätte, hätte Fahrradkette! Jeden Tag schließt sich eine Tür mehr. Ich werde nicht mehr Ballerina, muss den Müll selber rausbringen und habe schon einige wichtige Chancen verpasst. Lange Zeit konnte ich mir sagen: “Ach die, die ist ja auch schon 30! Klar hat die Karriere gemacht. Ich bin ja noch klein. Das kommt noch.” und Zack boom haut dir die eigene Geburtstagskarte ins Gesicht und du merkst, dass alle möglichen Uhren in dir losticken.
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So sehr ich mich in der Pubertät von meinen Eltern emanzipieren wollte, so sehr wünschte ich jetzt sie könnten einfach vorbeikommen und sagen, was richtig und falsch ist und dann läuft der Laden, wenn ich mich nur daran halte. Was bleibt also von meinem Kindheitscharakter mit seinen Wünschen? Was bleibt von den letzten langen Lieben? Wie viel bin noch ich und wie viel ist nur noch der Schatten, den meine verkrüppelte Idee vom guten Leben im goldene Konsumschein wirft?
Lange Zeit wollte ich wieder 19 sein. Happy 2006! Gerade mit dem Abi fertig und durstig nach allem mit genügend Zeit und Freunden im Gepäck. Die Sehnsucht hat endlich aufgehört. Zukunft braucht Herkunft und deswegen werde ich mich hüten bestimmte Menschen und Momente in meinem Leben jemals zu vergessen, aber heute findet die Party statt.
Heute fühle ich meine Haut auf deiner Haut und rieche den Essig in der Luft meiner Küche. Heute sehe ich die schnelle Stadt und koste ihre Küsse. Ein behutsamer Schulterblick zur Vergangenheit reicht, solange man sich mit einem Lächeln wieder nach vorn dreht. Diese positiven Jetzt-Menschen sollen ja ganz glücklich sein. Ich übe das jetzt mal:
und 1, und 2 und hoch das Bein!

















